Presseartikel im Havelboten am 07.07.2010

Die Erfrischung vor der Haustür ist schützenswert
neuer Verein gegründet

„Das beste Wasser, was die Sauberkeit betrifft, gibt es im Caputher See. Das entschädigt für fehlendes ausgedehntes Strandleben…“ So endete meine Sonntagsreportage im August 1964 für den „Potsdamer Blick“. Mit dem Moped unternahm ich damals eine Tour durch den Kreis Potsdam-Land bei über 30 Grad im Schatten. Das sind allerdings 46 Jahre her. Denn nun machen sich Alt- und Neu-Caputher Sorgen um das Kleinod. Sorgen, weil es ihrer Meinung nach in „Seenot“ geraten ist. „Im März dieses Jahres hatte sich der ,Caputher See e.V.’ mit Sitz im Schwielowsee-Ortsteil Caputh gegründet, der jetzt vom Vereinsgericht anerkannt wurde“, berichtete der Caputher Ortsvorsteher Jürgen Scheidereiter. Er gehört dem Vorstand nach dem Vorsitzenden Frank Plücken als dessen Stellvertreter an. Carsten Bastian erhielt als Schatzmeister das Vertrauen der Mitglieder. „Ziel unserer Arbeit ist eine naturverträgliche Nutzung des Caputher Sees einschließlich des direkten Wegebereiches sowie seine dauerhafte Eigentumssicherung in öffentlicher Hand“, sagte weiterhin Scheidereiter. „Der See soll seiner Erholungsfunktion und seiner Bedeutung als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als Erholungsreservoir und Platz zum Genießen einzigartiger Landschaftsbilder zunehmend wieder besser gerecht werden. Dazu ist auch eine enge Kooperation mit Behörden und Institutionen, insbesondere der Gemeinde Schwielowsee, notwendig.“

In einem vom „Caputher See e.V.“ herausgegebenen Flugblatt ist zu lesen, dass die Boden-Verwaltungs- und -Verwertungsgesellschaft (BVVG) beabsichtigt, auch den Caputher See zu privatisieren. „Die öffentliche Hand muss sich dauerhaft schützend über den See legen“, fordert der Verein. „Wir wollen den rund 50 Hektar großen See für die Allgemeinheit erhalten.“ „Eine Sanierung tut Not“, stellt der Verein fest, weil ungeklärte Abwässer, genehmigte oder ungenehmigte Wasserentnahmen bei zurückgehenden Zuflüssen den See belasteten. Im Sommer könnte er „umkippen“.

Viele alteingesessene Caputher bedauern den Zustand, haben aber bis heute ihren Badesee als „Erfrischung vor der Haustür“ nie aufgegeben. „Vor 60, 70 Jahren war es eine Freude, in dem Waldsee mit seinem glasklaren Wasser zu baden“, erzählen sie. Es kam genügend Frischwasser hinzu. Dafür sorgten kleine Quellen, Oberflächenwasser und die zur Lienewitz-Caputher Seen- und Feuchtgebietskette gehörende fast drei Kilometer lange Verbindung vom Großen Lienewitzsee durchs Wurzelfenn mit weiteren kleinen Feuchtgebieten.“ Der Graben war wohl einen Meter breit. „Durch das durchschnittlich 30 Zentimeter tiefe und schnell fließende Wasser zogen Bachforellen ihre Bahnen. Als Kinder fingen wir sie mit flinken Händen und bereicherten mit ihnen den Mittagstisch“, erzählt eine 74-Jährige. Und zu Ostern liefen die jugendlichen Mädchen um Mitternacht ohne ein Wort zu reden zum Graben, um Osterwasser zu schöpfen. Schweigend ging es auch wieder nach Hause. Sich mit dem „Quellwasser zu waschen, sollte die Schönheit stärken. Wenn aber die Jungs die Osterwasserschöpferinnen durch Scherze aus ihrem Stillschweigen brachten, war die ganze Mühe fürs Schönsein umsonst. „Ich weiß noch, wie wir im Sommer oft am Graben spielten, Schleusen und Wehre bauten. Fingerlange kleine Fische mussten warten, bis wir die öffneten“, schildert eine Mittvierzigerin.

In den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts verwirklichte der ehemalige und vor kurzem verstorbene Flottsteller Revierförster Heinz- Günther Machgut die Idee, am Rohrweg ein Wehr einzusetzen, um das Wasser auf der trostlosen Wiese aufzustauen. Zunächst wollte er damit einen „Schandfleck im Revier“ verschwinden lassen. Innerhalb von 10 Tagen war die fünf Hektar große Fläche überflutet, ist in der Chronik der Oberförsterei Kunersdorf (heute Ferch) zu lesen. Sich ansiedelnde Wildenten belebten das Biotop. Da auch die Forstwirtschaft ihren Beitrag zur Konsumgüterproduktion zu leisten hatte, wurden hier schließlich Jungkarpfen eingesetzt und im Herbst als Speisekarpfen mit einem zünftigen Fest abgefischt und verkauft. Im folgenden Jahrzehnt pachtete der Michendorfer Anglerverein den Teich. Aber auch er hatte viel Ärger wegen illegaler Angelei. Für die Anerkennung der Gemeinde Caputh als staatlich anerkannter Erholungsort schilderten Naturfreunde und Gemeindevertreter rund um den Caputher See Wanderwege aus. Während einer Sitzung schlug ein Caputher vor, Schilder mit dem Hinweis auf einen Wasserfall am Südende aufzustellen. „Das ist in Thüringen auch so, obwohl solche Fälle dort noch viel kleiner sind als unserer vom großen Rohrdurchlass am Rundweg hinunter auf das Fenn“, begründete er seinen Vorschlag. Als Anfang der 70er-Jahre die Fäkalien aus Caputher Gruben zur Ablassstelle etwa in der Nähe des heutigen „Reitstalles am Caputher See“ gebracht wurden, machte sich eine Trübung des Seewassers bemerkbar, obwohl Politiker stets schworen, „dass das nichts mit der Jauche zu tun hat“.

Mag sein. Aber gerade seit dieser Zeit erfolgt eine stetige Absenkung der Grund- und Oberflächenwässer im Einzugsgebiet, wie mir mal der Naturfreund Kai Heinemann erzählte. Der Karinchensee in Nachbarschaft des Sitzes der Oberförsterei Ferch ist jetzt so gut wie ausgetrocknet. Ebenso das Feuchtgebiet am Großen Lienewitzsee. Der Graben zum Caputher See führt schon lange kein Wasser mehr. Unscheinbar ist das Rinnsal von ehemaligen Karpfenteichen oberhalb des Caputher Sees. Es traf in den Jahren bis etwa 1992 vieles zusammen, was der Qualität des Caputher Sees schadete. „Doch so erschreckend, wie sie manche unserer Mitbürger machen, ist die Situation gar nicht“, äußerte sich Manfred Mannheim. Der Fischer vom Seddiner See bewirtschaftet den Caputher See. Im Winter habe er Sauerstoffproben entnommen. „Die waren sehr positiv. Trotz der langen Frostperiode haben wir keine verendeten Fische entdeckt. Jetzt im Sommer allerdings sieht es mit dem Sauerstoff im durchschnittlich vier Meter tiefen See etwas schlechter aus. Aber das ist überall so.“

Mannheims Pachtvertrag läuft am Ende dieses Jahres aus. „Wenn uns ein neuer angeboten wird, machen wir weiter“, sieht er voraus. „Obwohl: Die reine Freude ist die Arbeit auf dem See nicht. Der Spitzbubenweg dort drüben hat noch heute seine namentliche Bedeutung. Nicht die Schwarzangler machen uns Sorgen. Laufend finden wir aber leider von Fischräubern aufgeschnittene Fanganlagen vor. Die kosten uns viel Geld, die Fische im Caputher See. Von immer noch zu vielen nicht natürlich vorkommenden Marmor- und Silberkarpfen im Caputher See kann keine Rede sein. Es sind noch wenige Exemplare drin. Die brauchen wir jedoch für die Zubereitung unserer Buletten und Fischsuppe.“ Alle einheimischen Fischarten außer Wels sind im See vertreten. Das Sacrower Institut für Binnenfischerei habe Testfischen vorgenommen. Die Auswertung erwartet der Fischer in nächster Zeit.

Zurück zum neuen Verein. „Um die Vereinsziele zu erreichen, bedarf es der Mithilfe möglichst vieler Bürger. Deshalb sind alle alten oder jungen Freunde des Caputher Sees eingeladen, den Verein in jeglicher Hinsicht zu unterstützen“, wünscht Jürgen Scheidereiter. „Der Verein braucht aktive Mitstreiterinnen und Mitstreiter, braucht Förderer und aktive Unterstützer.“ Interessenten möchten sich bitte melden beim Vorsitzenden Frank Plücker, Telefon 0179 4642405 oder per E-Mail info@caputhersee.de Übrigens: Der Caputher See mit seinem gleichnamigen Ort wäre fast zu einer weithin bekannten „Berühmtheit“ geworden. Nach Plänen von 1939 sollte am südlichen Caputher See eine Heeressportschule auf einer Gesamtfläche von über 93 Hektar gebaut werden. Das Vorhaben wurde abgelehnt, weil das Gelände für die Erholung der Bevölkerung ein wichtiges Waldgebiet und weiterhin eine für den Obstbau und die damit verbundene Ernährung der Bevölkerung wichtige Fläche ist.

Von Wolfgang Post