Presseartikel im Havelboten am 13.10.2010

Kleinod in Seenot – Caputher See e.V. stellt sich vor

Der in diesem Jahr neugegründete Caputher See e.V. hatte am 30. September zur ersten Infoveranstaltung in die Gaststätte Wolff, Caputh eingeladen.
Nach einführenden Worten vom 2. Vorsitzenden des Vereins Jürgen Scheidereiter , der die Hintergründe der Vereinsgründung und Ziele des Vereins , insbesondere das Engagement des Vereins für eine Sicherung des Caputher Sees in öffentlicher Hand erläuterte, referierte der Vereinsvorsitzende Frank Plücken über die Entwicklung und ökologische Situation des Caputher Sees sowie über erforderliche Schritte für eine Sanierung des Sees und Aufgaben aus Sicht des Vereins in diesem Zusammenhang.

Durch Kooperation des Vereins mit dem Institut für Binnenfischerei Potsdam Sacrow und der Forschungsstelle Bad Saarow der BTU Cottbus konnten erste Beprobungen zur Fischartenzusammensetzung und zur Nährstoffsituation durchgeführt werden . Eine Diplomarbeit über die Nährstoffentwicklung des Caputher Sees wird wichtige Informationen zur Belastungssituation und mögliche Sanierungsansätzen geben. Auch hat der Verein selbst Sauerstoffmessungen im See zu verschiedenen Jahreszeiten durchgeführt. Kombiniert mit Daten u.a. des Landeamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz ergibt sich bereits jetzt ein eher kritisches Gesamtbild. Indizien für die prekäre ökologische Situation des Sees sind ganzjährig geringe Sichttiefen, Algenmassenentwicklung, Faulschlammbildung am Seegrund, Sauerstoffzehrung, fehlende Unterwasservegetation, fehlendes Nährstoffbindungsvermögen.

Die u.a. noch aus der Verklappung von Fäkalabwässern in Teichen nordöstlich des Sees resultierende Nährstoffüberfrachtung im Grundwasserzustrom sowie die großräumige Grundwasserabsenkung und damit einhergehende Änderungen in den Zu- und Abflüssen bereiten dem See erhebliche Probleme. Unklar ist noch, welche Rolle in diesem Zusammenhang Wasserentnahmen zu Bewässerungszwecken spielen. „Bisher sind wir am Umkippen des Sees immer noch vorbeigeschrammt“, so Plücken, „ nach allem was wir jetzt wissen, kommt der See von alleine nicht mehr in den guten Zustand, den die „Altcaputher“ noch kennen und den auch die EG- Wasserrahmenrichtlinie fordert.“
Hinzu kommt noch ein besonderes Problem: Der Besatz mit Marmor- und Silberkarpfen zu Vorwendezeiten. Diese eigentlich in ostasiatischen Strömen vorkommenden Fischarten, werden sehr groß ( 15 kg und mehr) und alt ( 50 Jahre und mehr) und ernähren sich ausschließlich von Plankton, allerdings mit Vorliebe genau von dem i.d.R. größeren Zooplankton welches für die ökologische Stabilität eines Sees von größter Bedeutung ist. Außerdem verschlimmern sie die ohne hin dramatische Nährstoffüberfrachtung durch ihre Ausscheidungen. Im Sommer kann man hunderte dieser großen Fische an der Seeoberfläche beobachten. Die Bilder vom Rangsdorfer See aus dem letzten Winter, wo über 200 Tonnen tote Fische – die Masse davon Marmor- und Silberkarpfen- verendeten, deuten an welche Probleme drohen, wenn man nicht handelt. Fischereiliche Hege ist gefragt, der Verein möchte hier mit der Berufsfischerei kooperieren.

„Wir wollen sorgfältig möglichst viel Wissen um den See zusammenholen, die besten Köpfe auf dem Gebiet des Gewässerschutzes zusammenbringen und zu nachhaltig wirkenden Sanierungsmaßnahmen kommen“ sagt Plücken. „Dazu wird auch Geld in Form von Fördermitteln zur Gewässersanierung in nicht unerheblichem Umfang erforderlich sein. Projektierung und Koordinierung werden kein Spaziergang. Aber dass sollte uns der See auch für unserer Jüngsten wert sein.“
„ Die Resonanz des Themas Caputher See hat uns sehr beeindruckt, knapp 70 Interessierte hatten sich am 30.09. zur abendlichen Stunde in der Gaststätte Wolff in Caputh eingefunden“ teilt Bettina Schmidt mit, die den Abend moderierte. „Auf das „feedback“ der Gäste waren wir besonders gespannt. Die breite Unterstützung die sich in der Diskussion mit „Alt- und „Neucaputhern“ für unsere Ziele an diesem Abend zeigte , hat uns einmal mehr bestärkt auf dem beschrittenen Weg intensiv weiterzuarbeiten“ sagt der Vereinsvorsitzende Frank Plücken.

Weitere Infos zum Caputher See und zum Verein werden in Kürze über die webseite www.caputhersee.de bereitgestellt. Der Verein hofft auf breite und tatkräftige Unterstützung.

Der Vorstand