Presseartikel im Havelboten am 21.12.2011

Spendengeld für den See in Not
2011-12-21-havelbote-largeSpendengeld für den See in Not Einen symbolischen Scheck über 550 Euro überreichte vor ein paar Tagen die Caputher Malerin Oda Schielicke an den Vorsitzenden des Caputher See e.V., Frank Plücken. „Ich habe alles, wenn ihr mir etwas zu meinem runden Geburtstag schenken wollt, dann würde ich mich über Geld freuen, das ich einem Caputher Verein zur Verfügung stellen würde“, sagte die Künstlerin all ihren Freunden und Bekannten. So geschah es dann auch. „Ich lebe hier an diesem See und sehe mich in der Pflicht, mitzuhelfen, dass er eines Tages doch saniert werden kann. Darum bemüht sich schließlich der Verein“, findet Oda Schielicke. „Wer arbeiten, etwas erreichen will, der braucht Geld“, meint sie. „Na klar ist das so“, antwortete Frank Plücken. „Wir können nur von unseren Mitgliedsbeiträgen und Spenden ,leben‘.“ 2010 hatte sich der Verein auf Anregung von Dipl.-Med. Holger Teichmann gegründet mit dem Ziel, den See und die herumführenden Wege als öffentliches Eigentum für die Allgemeinheit zu erhalten und jede Art von Privatisierung zu verhindern. Darüber hinaus will sich der Verein für eine Verbesserung der Wasserqualität und für eine naturverträgliche öffentliche Nutzung einsetzen.

„Natürlich wird dazu eine Kooperation mit Behörden und Institutionen, insbesondere mit der Gemeinde Schwielowsee, wichtig sein“, erklärt Frank Plücken. „Aber gegenwärtig können wir überhaupt nichts unternehmen. „Noch deckt die Boden-Verwertungs- und Verwaltungs- GmbH (BVVG) ihre Hände über den See, will ihn aber verkaufen, und darin sollte die Gemeinde Schwielowsee eine Chance sehen“, meint der Vereinsvorsitzende. Es ist jedoch schon fünf vor zwölf, um den See zu sanieren und für die Nachwelt zu erhalten. Noch in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gehörte er zu den klarsten Binnenseen der Region. 150 Zentimeter Sichttiefe gehörten im Caputher See mit einer mittleren Tiefe von rund drei Metern zur Gewohnheit. Vor allem in den vergangenen über drei Jahrzehnten verringerte sich leider die Sichttiefe bis aktuell auf 50 Zentimeter. Das ökologische Gleichgewicht des etwa 50 Hektar großen Sees kommt ins Schwanken. Deshalb fragt sich der normale Bürger, ob die BVVG lieber Kloaken statt „blühende Landschaften“, wie sie einst der Altkanzler Kohl ankündigte, verkaufen will und ob es überhaupt rechtens ist, Natur in Profit umzumünzen. Stehen vielleicht politische Gründe hinter dem zähen Verfahren?

„Wir müssen zuschauen, wie die Wasserqualität sinkt und die Kosten für eine Sanierung des Sees steigen“, bedauert Plücken. Auf unseren Brief an den Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Jörg Vogelsänger, erhielten wir folgende Antwort: „Da der Caputher See zum Portfolio der von der BVVG zur Privatisierung vorgesehenen Seen gehört, hat der Verein sich in einem Brief an Minister Vogelsänger gewandt und seine Unterstützung angeboten. Die Verhandlungen zwischen den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg und der BVVG zu über 600 Seen gestalten sich langwierig. Das Ministerium hat das Schreiben wohlwollend zur Kenntnis genommen und wird den Verein bei Fortschritt der Verhandlungen einbeziehen. Zwischenzeitlich erscheint der See als zunehmend in kritischem Zustand. Die extreme Algenentwicklung, viel zu geringe Sichttiefe, Fehlen von Unterwasserpflanzen, Schwefelwasserstoffausgasungen in den südlichen Flachwasserbereichen und die nach wie vor unnatürlichen Bestände an Marmorkarpfen sind Indizien und Ursachen hierfür zugleich. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Alles hängt von der Eigentumsfrage ab.“ Mitglieder des Caputher See e.V. knüpften bereits Verbindungen zu Institutionen, um „loslegen zu können, wenn die Eigentumsfrage geklärt ist“.

Mit dem Bewirtschafter des Sees und anderen Fachleuten wollen sie Schritte unternehmen, die dazu beitragen können, das ökologische Gleichgewicht des Sees ins rechte Lot zu rücken. Das wird freilich nicht leicht. Zwei Drittel des Sees gehören zum Naturschutzgebiet Lienewitz-Caputher Feucht- und Seengebietskette. Die ist seit langer Zeit unterbrochen. Deshalb bleiben nur Oberflächen- und Grundwasser als Lebenselixier des Sees. Vordergründiges Ziel des Vereins soll schließlich sein, ihn wieder zu einem Badesee zu machen, der dem staatlich anerkannten Erholungsort zu einer touristischen Attraktivität verhelfen kann. „Deshalb suchen wir noch Caputher und Gäste, die mit Rat und Tat helfen würden“, sieht Frank Plücken voraus. Förderer sind angesprochen, die bestimmte Teilprojekte oder Maßnahmen zum Schutze des Sees durch Spenden unterstützen wollen. „Außerdem rufen wir alle Bürger auf, uns Geschichten, Anekdoten, Bilder, Zeichnungen und vieles andere zum Caputher See zuzuschicken“, wünscht sich der Vereinsvorsitzende.

Text und Foto Wolfgang Post
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