Presseartikel in der PNN am 03.07.2010

Rettungsring für Caputher See
Neuer Verein will Sichttiefe auf 1,50 Meter verdreifachen und helfen, die öffentliche Nutzung zu sichern

Schwielowsee – Mit den Lienewitzseen, dem Plessower See oder dem Glindowsee kommt er schon lange nicht mehr mit. Das soll sich ändern: Ein neuer Verein will für den braun getrübten Caputher See die Sichttiefe auf wenigstens 1,50 Metern verdreifachen. Einer Seeprivatisierung soll vorgebeugt werden: Auch künftig soll man in dem von Eichen flankierten Waldsee baden und ihn umrunden können, sagte Vereinschef Frank Plücken gestern bei einem Pressegespräch. Das 54 Hektar große Gewässer, das der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH gehört, steht zum Verkauf.

Die Gemeinde sichert sich zwar gerade das Vorkaufsrecht – wie der geforderte Kaufpreis von 140 000 Euro und das Geld für die dringende Seesanierung aufgebracht werden soll, ist aber ungewiss. Der „Caputher See e.V.“ will die Augen offen halten, Daten sammeln und dem Rathaus bei der Sicherung des Sees helfen, so Plücken.

Die Diskussion zur Seenprivatisierung im Land habe den Anstoß zur Vereinsgründung gegeben, erklärte Vereinsvize Jürgen Scheidereiter, der auch in der Gemeindevertretung Schwielowsee sitzt. Scheidereiter war bis zu seinem Ruhestand im Gesundheitsministerium für Badegewässer zuständig, auch Vereinschef Plücken ist als Geograf ein ausgewiesener Fachmann. Zu den zehn Gründungsmitgliedern sollen weitere hinzukommen. Vereinsmitglied Claudia Beuster wohnt direkt am Seeufer und wirbt vor Ort für die Vereinsziele.

Zwei Drittel des Caputher Sees gehören zu einem Naturschutzgebiet, das sich bis zum Lienewitzsee erstreckt. Auch seine Bedeutung als Lebensraum für Tiere und Pflanzen soll wieder wachsen, wie gestern erläutert wurde: Die Wasserqualität hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch verschlechtert. In der DDR wurden durch das Grundwassergefälle Fäkalien von einem Lagerbecken am Sportplatz eingeleitet, die mineralisierten Reste sind immer noch ein Problem. Der See ist mit Phosphat- und Stickstoffverbindungen angereichert, die das Algenwachstum fördern – auch wenn es sich nicht um die unschönen Havel-Grünalgen handelt. Durch den sinkenden Grundwasserspiegel sind der alte Zufluss vom Lienewitzsee und der Abfluss zur Havel ausgetrocknet, das Wasser steht. Der Fischbesatz ist unausgewogen, die Nahrungskette gestört – auch wegen der vor Jahren eingesetzten Marmor- und Silberkarpfen, die den See an sich von Algen befreien sollten, stattdessen aber mit ihrem Kot düngen.

Als ersten Schritt zu klarem Wasser plant der Verein, diese bis zu einem Meter großen Fische mit Schleppnetzen rauszuholen. „Wasserflöhe, die Algen fressen, hätten dann wieder Überlebenschancen“, so Jürgen Scheidereiter. Dazu will man den Kontakt zum Fischereipächter suchen. Das Institut für Binnenfischerei hat – angestoßen vom Verein – die Fischbestände erfasst, Empfehlungen sollen folgen. Immerhin: Die Experten fanden einen Steinbeißer – eine geschützte, seltene Kleinfischart, die Ufersand kaut und daraus Nahrung filtert.

Außerdem soll geprüft werden, ob Anrainer ihr Gartenwasser legal entnehmen, eine Vorstudie zur Seesanierung ist geplant. „Der See kommt allein nicht mehr aus den Puschen“, so Frank Plücken. „Wenn wir nicht bald etwas tun, kann sich der Zustand noch verschlechtern.“

Von Henry Klix