Presseartikel in der PNN am 20.02.2013

Anglerstiftung soll Seen übernehmen
In Caputh trifft die neue Idee auf ein geteiltes Echo

Schwielowsee – Brandenburgs Seen in der Hand einer Stiftung der Angler – die Idee hat der Städte- und Gemeindebund Brandenburg (SGB) mit dem Landesanglerverband entwickelt. Die Gespräche dazu würden gerade beginnen, sagte SGB-Geschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher den PNN. Wie es genau gehen kann, soll jetzt mit den Kommunen und dem Land besprochen werden. In Caputh wird bereits lebhaft über die Idee diskutiert – das Echo fällt unterschiedlich aus.

Hintergrund: Im vorigen Jahr hat das Land 65 brandenburgische Seen vor dem privaten Zugriff gerettet – und vom Bund für 3,7 Millionen Euro gekauft, darunter auch den Caputher und den Fahrländer See. Das Land will die Seen voraussichtlich nicht in eigener Regie behalten, eine interministerielle Arbeitsgruppe arbeitet an Lösungen. SGB-Chef Böttcher sieht in einer Stiftung des Landesanglerverbandes einen gangbaren Weg. „Es gibt erhebliche Schnittmengen zwischen dem Anglerverband und der kommunalen Ebene“, so Böttcher. Für viele der betreffenden Gewässer würde es Pachtverträge mit den örtlichen Anglervereinen geben.

In der jüngsten Hauptausschusssitzung in Schwielowsee wurde das Modell begrüßt. „Das wichtigste für uns ist, dass die öffentliche Zugänglichkeit des Sees und der Ufer gesichert ist“, sagte Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU). Die Chance sieht sie durch das Stiftungsmodell gegeben. Auch der Caputher Anglerverein könnte sich vorstellen, dass das Modell aufgeht. „Dass sich der Landesanglerverband in dieses Thema einbringt, ist unbedingt nachvollziehbar“, sagte Vereinschef Bernd Lietz gegenüber den PNN.

Die knapp 130 Mitglieder seines Vereins könnten sich allerdings nur in kleinem Rahmen in die Bewirtschaftung des Gewässers, die Uferpflege und die Befischung, einbringen, so Lietz. „Allein können wir das nicht.“ Völlig offen sei bei einem solchen Weg auch, wie die erforderliche Sanierung des Waldsees finanziert werden soll. „Wenn das Stiftungsvermögen aus den Seen besteht, wäre dafür ja noch lange kein Geld da.“ In den vergangenen Jahren sei vonseiten des Bundes nur wenig zur Verbesserung der Wasserqualität des Caputher Sees unternommen worden. „Es muss sich jemand um die Altlasten kümmern.“

Der See ist in den vergangenen Jahrzehnten schmutzig geworden: In der DDR wurden durch das Grundwassergefälle Fäkalien von einem höher gelegenen Lagerbecken eingeleitet, die das Algenwachstum fördern. Zufluss und Abfluss sind ausgetrocknet, das Wasser steht. Der Fischbesatz ist unausgewogen, die Nahrungskette gestört – auch wegen vor Jahren eingesetzter Marmor- und Silberkarpfen, die den See an sich von Algen befreien sollten, stattdessen aber mit ihrem Kot düngen.

Vor zweieinhalb Jahren hatte sich mit dem „Caputher See e.V.“ ein Verein gegründet, der die öffentliche Zugänglichkeit sichern und die Wasserqualität verbessern wollte. Von einer Stiftung des Landesanglerverbandes als Seeeigentümer hält man dort nicht viel. „Ich angle selbst und schätze den Landesanglerverband für seine Arbeit“, sagte Vereinschef Frank Plücken den PNN. Allerdings fürchte er, dass Partikularinteressen in den Vordergrund rücken, wenn der Verband den Caputher See übernimmt.

„Das wäre für ein sanierungsbedürftiges, nur 50 Hektar großes Gewässer, das zu 70 Prozent in einem Naturschutzgebiet liegt, nicht angezeigt. Da muss man behutsam rangehen.“ Aus Plückens Sicht wäre eine Bewirtschaftung durch den Caputher See e.V. mit der Gemeinde die bessere Lösung.

Henry Klix