{"id":58,"date":"2013-03-10T13:15:42","date_gmt":"2013-03-10T12:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/?p=58"},"modified":"2015-02-20T20:14:14","modified_gmt":"2015-02-20T19:14:14","slug":"aktuelle-wasserbeschaffenheit-des-caputher-sees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/2013\/03\/10\/aktuelle-wasserbeschaffenheit-des-caputher-sees\/","title":{"rendered":"Aktuelle Wasserbeschaffenheit des Caputher Sees"},"content":{"rendered":"<p>Der Caputher See e. V. hat sich zur Aufgabe gestellt, die Wasserbeschaffenheit unseres fast 50 ha gro\u00dfen Sees zu verbessern.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten befindet sich der Caputher See in einem stark eutrophierten Zustand. Unter Eutrophierung wird die Anreicherung von N\u00e4hrstoffen in einem \u00d6kosystem verstanden. In Gew\u00e4ssern bedeutet dies eine \u00dcberd\u00fcngung von Wasserpflanzen und anderen Organismen, welche die die Photosynthese nutzen (Algen, Blaualgen). Meistens wird die Erh\u00f6hung des N\u00e4hrstoffangebots (insbesondere von Phosphat und Nitrat) durch menschliche T\u00e4tigkeiten hervorgerufen, wie z. B. durch Stoffeintr\u00e4ge aus Abw\u00e4ssern oder aus ged\u00fcngten landwirt-schaftlichen Nutzfl\u00e4chen. Ein erh\u00f6hter N\u00e4hrstoffeintrag f\u00fchrt zu einer verst\u00e4rkten pflanzlichen Produktion, die wiederum zur Folge hat, dass die Biomasse der nachgeordneten Konsumen-ten (z. B. tierisches Plankton, Fische) und Destruenten (z. B. Bakterien) w\u00e4chst. Damit steigt die Masse an organischem Material, das zu Boden sinkt. Bei Sedimentuntersuchungen durch die BTU Cottbus (Lehrstuhl Gew\u00e4sserschutz) im 2. Halbjahr 2010 wurden in den oberen 15 cm des Sediments mittlere Zuwachsraten von 1,2 bis 1,4 cm pro Jahr nachgewiesen. Diese hohen Werte sind typisch f\u00fcr stark eutrophe Gew\u00e4sser.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nF\u00fcr den mikrobiellen Abbau der organischen Substanz wird viel Sauerstoff verbraucht. Dabei werden gleichzeitig anorganische N\u00e4hrstoffe freigesetzt. Wenn am Boden dauerhaft Sauer-stoffmangel herrscht, kann das Phosphat als wichtigster die Photosynthese begrenzender N\u00e4hrstoff nicht an Eisen gebunden werden. Als Folge bleibt das Phosphat vollst\u00e4ndig und damit d\u00fcngewirksam im Wasser gel\u00f6st und steht f\u00fcr das Algenwachstum wieder zur Verf\u00fc-gung. Neben dem Phosphat wird im Caputher See auch die Stickstoffverbindung Ammonium in dem organisch gepr\u00e4gten Sediment mobilisiert, wie die Untersuchungen der BTU Cottbus 2010 zeigen.<\/p>\n<p>Die Folgen der Eutrophierung werden besonders in den Sommermonaten deutlich: Aufgrund der starken Algenentwicklungen betr\u00e4gt die Sichttiefe in unserem See h\u00e4ufig nur noch ein Meter oder weniger. Die durchleuchtete Zone im Wasser ist damit so gering, dass ein Wachs-tum von h\u00f6heren Wasserpflanzen (Makrophyten) mit Ausnahme der Schwimmblattpflanzen (See- und Teichrosen) nicht mehr m\u00f6glich ist. Makrophyten sind Lebensraum f\u00fcr andere Wasserorganismen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Befestigung der Gew\u00e4ssersohle und zeigen vielf\u00e4ltige chemische Wirkungen (z. B. Abgabe von Sauerstoff, Aufnahme von N\u00e4hr-stoffen und Schwermetallen). Kurz: Sie sind Ausdruck der biologischen Vielfalt eines Gew\u00e4s-sers. Im Caputher See wurden die fr\u00fcher vorhandenen Makrophyten im Konkurrenzkampf um das Licht durch Algen verdr\u00e4ngt. Eine Bedeckung von etwa einem Viertel des Seebodens mit Makrophyten w\u00e4re f\u00fcr stabile Klarwasserverh\u00e4ltnisse erforderlich.<\/p>\n<p>Der Besatz mit Silber- und Marmorkarpfen in den 1980er Jahren hatte und hat wahrscheinlich eher negativen Einfluss auf den gegenw\u00e4rtigen \u00f6kologischen Zustand des Caputher Sees. Die beiden eigentlich in ostasiatischen Str\u00f6men vorkommenden Fischarten k\u00f6nnen ein stattliches Gewicht von \u00fcber 15 kg und ein Alter von mehr als 50 Jahren erreichen. Sie ern\u00e4h-ren sich ausschlie\u00dflich von Plankton, also kleinen pflanzlichen und tierischen Wasserorga-nismen, deren Schwimmrichtung von der Wasserstr\u00f6mung vorgegeben wird. Allerdings neh-men die Silber- und Marmorkarpfen vorrangig das i. d. R. gr\u00f6\u00dfere Zooplankton auf, das zur \u00f6kologischen Stabilit\u00e4t eines Sees beitr\u00e4gt. Zudem tragen die Ausscheidungen dieser Fische zur weiteren Erh\u00f6hung der N\u00e4hrstoffbelastung im See bei.<\/p>\n<p>Ab einer Tiefe von 4 &#8211; 5 m ist der Caputher See im Sommer zumeist sauerstofffrei. Unter diesen Bedingungen k\u00f6nnen zahlreiche Silber- und Marmorkarpfen an der Oberfl\u00e4che beo-bachtet werden. Auf dem Grund des Sees befindet sich eine dicke Faulschlammschicht, in der sich aufgrund des fehlenden Sauerstoffs Faulgase wie beispielsweise Methan und der stinkende Schwefelwasserstoff bilden.<\/p>\n<p>Der Caputher See stellt eine Toteisform dar und geh\u00f6rt zu einem Nebenrinnental der Havel-niederung. Im Rahmen einer hydrogeochemisch-genetischen Bewertung durch das Landes-umweltamt (LUA) Brandenburg Anfang 2011 wurde das Wasser unseres Sees als neubil-dungsgepr\u00e4gt charakterisiert, der gr\u00f6\u00dftenteils aus dem zustr\u00f6menden Grundwasser gespeist wird. Es weist bei verschiedenen Parametern (z. B. Hydrogencarbonat, Sulfat, Chlorid und Kalium) deutlich h\u00f6here Konzentrationen als das Wasser im See auf. Dagegen deuten gering erh\u00f6hte Nitratgehalte im See auf einen anthropogenen Einfluss vermutlich durch oberirdische Stoffeintr\u00e4ge hin. In der Stellungnahme wird empfohlen, eine Wasserhaushaltsbetrachtung zum ober- und unterirdischen Seeeinzugsgebiet durchzuf\u00fchren. Dabei sollte insbesondere die Rolle des Abwassereintrags gepr\u00fcft und der verringerte Grundwasserzufluss infolge der of-fensichtlich fl\u00e4chenhaft vorhandenen Kolmation (Undurchl\u00e4ssigkeit) des Seebodens gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Die aktuellsten Messergebnisse zu unserem See liegen in Form des im Februar 2013 fertig gestellten Gutachtens vor, das vom Landesamt f\u00fcr Umwelt, Gesundheit und Verbraucher-schutz (das ehemalige LUA) an ein Ingenieurb\u00fcro beauftragte wurde. Als einer von vier Bran-denburger Seen wurde der Caputher See 2012 untersucht. Er weist eine mittlere Tiefe von 3,40 m und eine Maximaltiefe von 9,20 m an der Nordspitze auf. In den tieferen Bereichen trat im Sommer eine stabile Temperaturschichtung auf. F\u00fcr etwa drei Viertel der Seefl\u00e4che mit Tiefen von weniger als 6 m traf jedoch zu, dass das Wasser im Sommer h\u00e4ufiger durch-mischt wurde, also einen polymiktischen Charakter aufwies. Die Sichttiefen schwankten bei den sechs Probennahmen vom Juni bis November 2012 nur wenig und lagen im Bereich um ein Meter.<\/p>\n<p>Die Aussagen des neuen Gutachtens sind insofern erfreulich, als dass sich die Ergebnisse der Untersuchungen im Caputher See aus dem Jahr 2009 best\u00e4tigten und sich die Trophie ge-gen\u00fcber dem Gew\u00e4sserzustand der 1990-er Jahre von \u201epolytroph 1\u201c zu \u201eeutroph 2\u201c verbes-sert hat. Allerdings f\u00fchrten die verringerten N\u00e4hrstoffgehalte (vor allem Phosphor) noch zu keiner gravierenden \u00c4nderung der Planktonstruktur, also der Algenzusammensetzung. Of-fenbar sind die vorherrschenden d\u00fcnnf\u00e4digen Blaualgen in der Lage, den Phosphor sehr effi-zient zu nutzen. Selbst bei einer weiteren Verringerung der Phosphorgehalte ist zu bef\u00fcrchten, dass die unter polymiktischen Bedingungen konkurrenzstarken Blaualgen dies durch eine bessere Ausnutzung des Phosphors kompensieren k\u00f6nnen (wie auch im Gro\u00dfen Seddiner See). Erst bei einem sehr deutlichen Phosphorr\u00fcckgang, nach Etablierung h\u00f6herer Wasser-pflanzen und\/oder st\u00e4rkeren Ver\u00e4nderungen innerhalb der Nahrungskette des Sees erscheint es m\u00f6glich, dass diese Blaualgen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Beispiel f\u00fcr eine solche Konstella-tion ist ein winterliches Fischsterben im Rangsdorfer See, als in Folge dieser nat\u00fcrlichen Bio-manipulation die Anzahl der Makrophyten deutlich zunahm und das massenhafte Auftreten von f\u00e4digen Blaualgen endete.<\/p>\n<p>Die vorherigen Ausf\u00fchrungen machen deutlich, wie viele Faktoren auf das komplexe \u00d6ko-system \u201eSee\u201c einwirken. Bei der Festlegung der Qualit\u00e4tsziele f\u00fcr den Caputher See ist zu beachten, dass es sich hierbei um einen Flachsee handelt, der zu einem gro\u00dfen Teil von Wald umgeben ist. Wenn die bisherige moderate Nutzung des Sees (Wasserentnahmen, ein Berufsfischer, private Angler, Badende, unmotorisierte Boote) bestehen bleibt, erscheinen perspektivisch sommerliche Sichttiefen von 1,5 bis 2,0 Metern realistisch.<\/p>\n<p>Verfasser: J\u00f6rg Kunze, Caputher See e.V.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzende Anmerkung des Vorsitzenden des Caputher See e.V. :<\/p>\n<p>Die Planung und Umsetzung von konkreten Arbeiten am und im Caputher See und Ma\u00df-nahmen zur Verbesserung der Beschaffenheit des Sees bed\u00fcrfen weiterer Untersuchungen. und sind gr\u00fcndlich zu \u00fcberlegen. Bestimmte Ma\u00dfnahmen wie z.B. die Entnahme von Silber-karpfen sind mittelfristig realisierbar, weitere Untersuchungen und andere Ma\u00dfnahmen sind eher langfristig angelegt. Die Mitglieder des Caputher See e. V. sind gern bereit, ihren Beitrag zum Monitoring des Sees und bei der Umsetzung von konkreten Ma\u00dfnahmen zu leisten. Dabei stehen uns immer wieder kompetente Partner zur Seite. So hat die Universit\u00e4t Pots-dam, Fachbereich Geo\u00f6kologie aktuell ihre Unterst\u00fctzung zur weiteren Beobachtung chemi-scher und physikalischer Parameter im See bekr\u00e4ftigt. Erste Probennahmen sind erfolgt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/caputhersee.de\/content\/a-pdf\/beschaffenheit-caputher-see-04-2013.pdf\" target=\"_blank\">Download PDF<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Caputher See e. V. hat sich zur Aufgabe gestellt, die Wasserbeschaffenheit unseres fast 50 ha gro\u00dfen Sees zu verbessern. Seit Jahrzehnten befindet sich der Caputher See in einem stark eutrophierten Zustand. Unter Eutrophierung wird die Anreicherung von N\u00e4hrstoffen in einem \u00d6kosystem verstanden. In Gew\u00e4ssern bedeutet dies eine \u00dcberd\u00fcngung von Wasserpflanzen und anderen Organismen, welche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-58","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-artikel"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=58"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":180,"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/58\/revisions\/180"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=58"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=58"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/caputhersee.de\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=58"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}