Live-Mitschnitt an der Badestelle Westufer am 31. August 2026: Sohn, vier oder fünf Jahre alt, Vater dazu, genießen die Badefreuden. Während der Ältere noch umständlich die Hose wechseln muss, hat der Jüngere sich die Mühe gespart und steht bereits im Wasser, das ihm kaum bis zum Po reicht. „Papa, Papa, es ist ganz klar, ich kann sogar meine Füße sehen!“ Ob der Vater das auch vermag, wenn das Wasser ihm gleich um die Oberschenkel schwappt? „Super!“, ruft er dem Kind zu – und denkt vielleicht darüber nach, wie trübe oder klar der See in seiner eigenen Kindheit war; oder im vorigen Sommer oder dem davor? Und wie sie sich „neulich erst“ gefreut hatten, als man nach dem Schmelzen des Eises wirklich richtig weit ins Wasser schauen konnte. Wann ist das denn so anders geworden und wovon wird es überhaupt trüb? Sicherlich, hier oder dort schweben auch als solche erkennbar winzige, sich zersetzende Blattstückchen oder, wie im Mai dieses Jahres, Kiefernpollen im Wasser. Aber den allerwichtigsten Verursacher im Caputher See kann man mit bloßem Auge gar nicht sehen: extrem dünne, fadenförmige Blaualgen. Erst ein Mikroskop macht diese winzigen Bakterien sichtbar, Zellketten, von einer gallertigen Hülle umgeben, die den Zellstrang auf dem Foto wie eine leuchtende Aura umgibt.

Millionen und Abermillionen dieser Strukturen trüben den See, im Effekt ähnlich, als gösse man etwas Milch in ein Glas mit Leitungswasser; so viel zum „Wovon“. Wie groß die Dichte dieser urtümlichen Bakterien im Jahresverlauf ist, wie sehr sie also das Seewasser trüben, hängt von der Wassertemperatur, von der Sonnen- bzw. Lichtsituation ab und davon, ob genug „Dünger“ für das Bakterienwachstum zur Verfügung steht, besonders Phosphat. Davon gibt es – leider – allzu reichlich. Und diese besonderen Organismen, oft als Blaualgen bezeichnet, haben nur sehr wenige Fressfeinde, weil sie sich ihrer Haut durch Gifte sowie klebrige Schleimhüllen zu wehren wissen. Einige der natürlichen Feinde stehen obendrein auf der Speisekarte der planktonfressenden Marmorkarpfen, was die Sache in Caputh nicht besser macht.
Im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsforschungsprojektes, Citizen-Science-Projekts, das die Universität Potsdam gemeinsam mit einigen interessierten, engagierten Caputherinnen und Caputhern seit 2024 durchführt, wird auch das „Wann“ und das „Wie viel“ der Veränderungen in der Sichttiefe im See regelmäßig erfasst. Auf einem Steg am Nordufer lässt die Familie Rüss alle 14 Tage eine so genannte Secchi-Scheibe langsam im Seewasser versinken.

Die Kunststoffscheibe hat ein deutliches Muster und hängt an einer Schnur mit Längenmaß. Der Augenblick bzw. die Länge der Schnur, wo das Muster der Scheibe nicht mehr erkennbar ist, wird als die maximale Sichttiefe festgehalten. Und so kann der Jahresgang der Sichttiefe seit dem Sommer 2024 recht genau verfolgt werden, wie diese Auswertung von R. Neuber zeigt.

Betrachtet man parallel die Wetterdaten und achtet auch auf besondere lokale Ereignisse, etwa die außergewöhnliche Menge an Kiefernpollen im Mai 2026 (s. Beitrag „Nutznießer des Pollenregens“ ) mit der Folge: kaum mehr als 50 cm Sichttiefe, wird vieles erkennbar und verständlich, was sich da alljährlich im See abspielt und uns bisweilen ins Grübeln bringt. Nun müssen wir „nur noch“ dafür sorgen, dass ein erheblicher Teil der Abermillionen von wassertrübenden Cyanobakterien verschwindet. Anderenorts würde man wohl wünschen: Glückauf!
